Didaktik der Chemie
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Fördert die alltagsorientierte Unterrichtseinheit "Stevia - gut oder schlecht?" das Interesse und die Motivation der Schülerinnen und Schüler?

Hensel, Simone

Gegenstand der Zulassungsarbeit ist das Interesse und die Motivation im Fach Chemie und ob diese anhand einer alltagsorientierten Unterrichtseinheit zum Thema „Stevia – gut oder schlecht?“ gefördert werden können. Weiterhin beschäftigt sich diese Arbeit mit den Anforderungen an einen Lebensmittelzusatzstoff, der Wirkungsweise des Süßstoffs im menschlichen Körper und den Vorteilen der Stevia-Pflanze und deren Süßstoffe.

Die ursprünglich aus Paraguay stammende Pflanze Stevia rebaudiana wird momentan vor allem im asiatischen Raum angebaut. Seit der EU-Zulassung im November 2011 nimmt die Nutzung des Süßstoffs aus den Blättern in Europa stetig zu. Der Weg zur Zulassung der aus der Pflanze gewonnenen Steviolglykoside stellte sich jedoch als sehr langwierig heraus, da es einige Jahrzehnte dauerte bis die nötigen Studien vorhanden waren und die Unbedenklichkeit des Süßstoffes bestätigten. Gekennzeichnet wird der Süßstoff in den Lebensmitteln als E 960 oder wie es häufigsten zu lesen ist: „Enthält Steviolglykoside“. Da Süßstoffe als Lebensmittelzusatzstoffe eingestuft sind, muss die Isolierung und der Reinheitsgrad des Süßstoffes auch beachtet werden. Bei der Gewinnung des Zuckerersatzstoffes aus den Blättern erfolgt die nötige Reinigung von weiteren organischen Verbindungen von der Ernte und Trocknung bis zur Kristallisation über mehrere Schritte bis es zu den Molekülen Steviosid, Rebaudiosid A bis E und Dulcosid A führt. Die süß schmeckenden Moleküle der Stevia-Pflanze sind bis zu 200- bis 300-mal süßer als Zucker (= Saccharose). Für die Steviolglykoside sind für die Verwendung in Lebensmittel Höchstmengen vorgeben, bezeichnet als der ADI-Wert, welcher bei 4 mg/kg Körpergewicht liegt. Aufgrund des steigenden Verlangens nach Süßigkeiten und gesüßten Limonaden kommen den Süßstoffen in der Lebensmittelindustrie immer mehr an Bedeutung zu. Da sich seit Jahrzehnten der Trend zur gesunden Ernährung entwickelt und Süßstoffe bei weitem weniger Kalorien als Zucker aufweisen, keinen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel haben sowie manche Plaquebildung auf den Zähnen verhindern, haben Steviolglykoside auch großes Potential für Diabetiker. Ob die Süßstoffe aus Stevia rebaudiana allerdings wirklich keinen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel haben, fehlen dazu noch mehr aussagekräftige Studien, jedoch wird kein Heißhunger nach Zunahme des Süßstoffes festgestellt. Nach Aufnahme der Steviolgylkoside in den menschlichen Körper gelangt dieser unberührt in den Dickdarm und spaltet den Zucker ab und setzt Steviol (= 13-Hydroxy-ent-Kaur-16-en-19-säure) frei, welches durch mehrere Schritte über den Urin wieder ausgeschieden wird. Offensichtliche Vorteile der Stevia-Pflanze sind zum einen ihre Hitzebeständigkeit, die wenigen Kalorien trotz der hohen Süßkraft und ihre entzündungshemmende, antibakterielle und antirheumatische Wirkung. Steviolglykoside sind eine Alternative zum Zucker, ob sie jemanden zusagt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Allein durch die Nutzung von Süßstoffen kann keine Gewichtsreduktion erwartet werden, hier helfen immer noch eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung am besten.

Aus dieser Untersuchung und dem Vergleich anderer Forschungsergebnisse geht hervor, dass Schülerinnen und Schüler kein großes Interesse und nur wenig Motivation im Chemieunterricht an den Tag legen. Das Engagement im Unterricht mitzuarbeiten, konnte jedoch im Rahmen dieser Unterrichtseinheit gesteigert werden, in dem sie in Unterrichtsgespräche mit einbezogen worden sind