Didaktik der Chemie
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Fachzeitschriften für das Fach Chemie als Zugang zu Ergebnissen der Unterrichtsforschung

Hübsch, Alexandra

In der vorliegenden Forschungsarbeit wurde die Schnittstelle zwischen Theorie und Unterrichtspraxis sowie deren Permeabilität für fachdidaktische Innovationen genauer in Augenschein genommen. Dazu war zunächst eine eingehende Klärung des Begriffs „fachdidaktische Innovation“ nötig. Im Anschluss daran wurde der Übergang fachdidaktischer Innovationen von der Theorie in die Praxis in seinen Einzelschritten genauer thematisiert und mit Beispielen (das Modell der Partizipativen Aktionsforschung und das Dortmunder FUNKEN-Modell) unterlegt.

Ausgemachte Ziele der Arbeit waren, zu ermitteln, wie häufig fachdidaktische Innovationen aus der aktuellen Unterrichtsforschung in Fachzeitschriften für den Chemieunterricht Eingang finden und in welchem Maße (zukünftige) Lehrpersonen Informationen zur Unterrichtsentwicklung aus diesen Zeitschriften beziehen. Darüber hinaus sollte ein Überblick gewonnen werden über die Bereitschaft (zukünftiger) Lehrkräfte, Neuheiten in ihren Chemieunterricht zu integrieren, und darüber, ob diese Bereitschaft mit deren Zeitschriftennutzungsverhalten zusammenhängt.

Diese Forschungsziele wurden in den folgenden drei Hypothesen zusammengefasst:

  1. Fachdidaktische Innovationen treten mit unterschiedlicher Häufigkeit und in unterschiedlicher Form in Fachzeitschriften für den Chemieunterricht auf.
  2. Ausgewählte Zeitschriften für den Chemieunterricht werden in unterschiedlichem Maße von Lehrkräften und Lehramtstudierenden des Faches Chemie zur Informationsgewinnung bezüglich der Entwicklung von Chemieunterricht genutzt.
  3. Bei Lehrkräften und Lehramtstudierenden des Faches Chemie besteht ein Zusammenhang zwischen dem Maß ihrer Zeitschriftennutzung und ihrer Bereitschaft zur Integration von Neuem in den Chemieunterricht.

Hypothese 1 wurde im Rahmen einer Zeitschriftenanalyse behandelt. Dazu wurden mehrere Jahrgänge ausgewählter Fachdidaktikzeitschriften (PdN-ChiS, NiU-Ch und ZfDN) mit Hilfe eines speziell hierfür erarbeiteten Kriterienkatalogs auf ihren Gehalt an fachdidaktischen Innovationen hin überprüft. Neben der quantitativen Bestimmung erlaubte die Untersuchung zudem Aussagen über die Qualität dieser innovativen Erkenntnisse.

Im Zuge dieser Analyse präsentierte sich ZfDN (Zeitschrift für Didaktik der Naturwissenschaften) als am innovativsten, während der Gehalt an fachdidaktischen Innovationen bei NiU-Ch (Naturwissenschaften im Unterricht – Chemie) und vor allem PdN-ChiS (Praxis der Naturwissenschaften – Chemie in der Schule) deutlich abnahm.

Hypothese 1 konnte damit bestätigt werden.

Eine Untersuchung von Hypothese 2 und 3 wurde in Form einer Umfrage vorgenommen. Dabei wurden sowohl Lehramtstudierende als auch Lehrkräfte des Faches Chemie mit einem hierfür konstruierten Fragebogen zu Bekanntheitsgrad und Nutzungsverhalten der vormals genannten Zeitschriften sowie zu ihrem allgemeinen Interesse an ausgewählten Zeitschrifteninhalten und ihrer generellen Einstellung gegenüber Fachdidaktikforschung und Eingliederung fachdidaktischer Innovationen in ihren Chemieunterricht befragt.

Bei beiden Personengruppen war hierbei eine Affinität gegenüber praktisch gelagerten Zeitschrifteninhalten spürbar, welche bei den Lehrkräften durch eine frequentierte Nutzung praktischer Fachdidaktikzeitschriften (PdN-ChiS und NiU-Ch) reflektiert wurde, wohingegen bei den Lehramtstudierenden nahezu keine Nutzung aller untersuchten Zeitschriften erfolgte. Somit konnte Hypothese 2 bestätigt werden.

Desweiteren ging aus der Umfrage sowohl bei den Studierenden als auch bei den Lehrkräften eine durchwegs positive Grundstimmung gegenüber Fachdidaktikforschung und der innovativen Überarbeitung des eigenen Chemieunterrichts hervor. Ein Zusammenhang zwischen Nutzung und Einstellung konnte demzufolge nur bei den Lehrkräften festgestellt werden, weswegen Hypothese 3 lediglich für diese Personengruppe und auch nur unter Vorbehalt bestätigt werden konnte. Für die Lehramtstudierenden musste Hypothese 3 widerlegt werden.

Vor allem bei letzteren paart sich diese Einstellung mit einer erheblichen Unsicherheit, was das Wissen zu gutem Chemieunterricht angeht. Diese Ergebnisse legen die Vermutung nahe, dass sich sowohl Lehramtstudierende als auch Lehrkräfte zu methodischen Fragen noch weitgehend keine Gedanken gemacht haben, weswegen ihnen für konkrete Aussagen oftmals der Wissensfundus fehlt. Diese Forschungsarbeit könnte daher einen Anstoß für einen umfassenden Meinungsbildungsprozess in Sachen Unterrichtsentwicklung und –qualität geben.