Didaktik der Chemie
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Die Bedeutung des handlungsorientierten Unterrichtens von chemischen Inhalten im HSU Unterricht in der dritten Jahrgansstufe einer Grundschule

Koch, Claudia

Abschließend zeigt sich, dass Studien mit Kindern im Kindergarten- und/oder Grundschulalter in Bezug auf experimentelles Arbeiten ein sehr spannendes, vielschichtiges und für die Zukunft sehr wichtiges Untersuchungsfeld darstellen. Unter dem Gesichtspunkt des aktuellen hohen soziologischen und ökonomischen Stellenwerts der Naturwissenschaften in der Bundesrepublik Deutschland ist eine grundlegende Umstrukturierung der bildungsinternen Institutionen, insbesondere im elementaren Bildungsbereich, dringend zu empfehlen. Zudem sind die veralteten Vorstellungen im Bereich der kognitiven Fähigkeiten der Grundschulkinder längst überfällig: Viele wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass Kindern dieses Alters durchaus mehr zuzutrauen ist als das Bestreiten von primitiven Denkvorgängen. So zeigen beispielsweise auch die Ergebnisse der LOGIK-Studie, dass bereits Grundschüler ein Grundverständnis der Logik besitzen und einfache Hypothesen durchaus überprüfen können.[1]

Auch die hier untersuchte Experimentalreihe hat gezeigt, dass man Grundschulkindern ruhigen Gewissens Experimente an die Hand geben kann, die sie eigenständig durchführen. Mit Bedacht und in respektvollem Umgang gegenüber den verschiedenen Versuchsutensilien wurde die Durchführung der Experimente in Angriff genommen.

Für die Experimentalreihe wurde eine Versuchsreihe zum Thema Feuer erstellt, die in Anlehnung an die Bedingungen des Verbrennungsdreiecks und das Feuerslöschen zugeschnitten wurde. Bei der Versuchsauswahl wurde darauf geachtet, dass die Kriterien, die auf eine Eignung von chemischen Experimenten für die Grundschule abzielen, erfüllt wurden. Beispielsweise wurde darauf geachtet, dass die Versuche ungefährlich sind und ohne weitere Bedenken in die Hand der Kinder abgegeben werden können. Zwei der Experimente waren im Gefährlichkeitsgrad etwas höher angesiedelt und wurden demnach von der Lehrkraft vorgeführt. Mittels Fragebogenerhebungen vor und nach der Experimentalreihe sollte untersucht werden, inwieweit sich chemisches Experimentieren in der Grundschule einerseits auf das chemische Selbstkonzept, andererseits auf das Interesse für chemische Inhalte auswirkt. Zudem wurde mit einem Wissenstest direkt im Anschluss an die Versuchsreihe untersucht, ob chemisches Experimentieren auf das Alltagsverständnis der Grundschüler positiven Einfluss nehmen kann. Die Auswertung der erhobenen Daten hat deutliche Trends aufgezeigt: Infolge des Hantierens mit chemischen Experimenten von Seiten der Grundschüler hat sich eine erhebliche Steigerung des Interesses gegenüber chemischen Inhalten gezeigt. Auch eine Verbesserung des chemischen Selbstkonzeptes konnte durch die experimentelle Erfahrung der Kinder festgestellt werden. Darüber hinaus konnte ein Trend ausgemacht werden - dass experimentelles Arbeiten in der Grundschule durchaus einen positiven Einfluss auf das Alltagsverständnis der Kinder haben kann.

Im Laufe der Untersuchung haben sich zusätzliche, vor allem geschlechterbezogene Trends herauskristallisiert, deren gezielte Untersuchungen diesem Forschungsfeld weitere spannende Perspektiven eröffnen könnten. Letztendlich zeigt sich, dass das Buch „Experimentieren in der Grundschule“ lediglich aufgeschlagen wurde, jedoch noch nicht zu Ende erzählt ist, und man auf weitere spannende Studienergebnisse gefasst sein kann.

[1] Sodian, Beate, Koerber, Susanne; Thoermer, Claudia: Zur Entwicklung des
      naturwissenschaftlichen Denkens im Vor- und Grundschulalter. 2006. S. 13.