Didaktik der Chemie
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Anwendung von ausgewählten Inhalten des Wacker-CHEM2DO-Schulversuchskoffers in einem gymnasialen Intensivierungskurs der Jahrgangsstufe 10

Jantzen, Karin

Schülerexperimente sind aus lernpsychologischer Sicht ein wichtiger Bestandteil des Chemieunterrichts. Die Eigentätigkeit der Schüler, die sich durch diese Experimente ergeben, führt z.B. zu einer möglichen Verbesserung des konstruktiven Einbaus von neuerlerntem Wissen in das individuelle Wissensnetz. Damit verbunden können wiederum bessere Behaltensergebnisse und auch eine höhere Lernmotivation sein (Di Fuccia, 2007a). Die Eigentätigkeit der Schüler im Chemieunterricht gerät jedoch aus unterschiedlichen Gründen immer mehr in den Hintergrund. Einer dieser Gründe könnte beispielsweise ein zu großer Arbeitsaufwand für die Lehrkraft darstellen, verbunden mit zeitlichen Engpässen angesichts des Lehrplan-Pensums, das der Lehrer zu erfüllen hat. Der Wacker-CHEM2DO-Schulversuchskoffer wirkt dem entgegen, da selbständiges Arbeiten der Schüler unter geringem Aufwand für die Lehrkraft zu lehrplanrelevanten Inhalten möglich wird. Der Wacker-Koffer stellt eine Schnittmenge aus außerschulischem und innerschulischem Lernangebot dar, da er sowohl Innovationen aus der Wirtschaft an den Schüler heranträgt als auch den Lehrplan erfüllt. Mit der vorliegenden Untersuchung sollte herausgefunden werden, wie sich eine entsprechende Unterrichtseinheit mit dem Schulversuchskoffer in einem gymnasialen Intensivierungskurs der Jahrgangsstufe 10 auf das Interesse, die Selbstwirksamkeit, die Lernstrategien und die Einstellung der Schüler zu Experimenten auswirkt. Zu diesem Zweck wurden vier Hypothesen formuliert. Mithilfe einer Fragebogenuntersuchung im Prä-/Post-Design wurden entsprechende Daten von insgesamt sieben männlichen Schülern erhoben und ausgewertet. Darüber hinaus wurde im Posttest zusätzlich eine Evaluierung der Unterrichtseinheit durchgeführt.

In Bezug auf die Hypothesen konnte herausgefunden werden, dass das Interesse der Schüler an Chemie im Durchschnitt gestiegen ist. Bemerkenswert ist dabei, dass sich dieses Interesse nicht nur auf die Durchführung von Experimenten beschränkt, sondern sich auch auf Lehrervorträge innerhalb des Unterrichts zu beziehen scheint. Auch bezüglich der Auswirkungen auf die Selbstwirksamkeit konnte ein leicht positiver Trend verzeichnet werden. Dabei muss beachtet werden, dass die Kausalattribution der Schüler schon nach Aussage des Prätests äußerst positiv zu bewerten war. Bei der Befragung zu den eigenen Lernstrategien konnten im Nachhinein im Durchschnitt positivere Werte gemessen werden als zuvor. Allerdings kann keine Aussage darüber gemacht werden, ob dies durch eine Verbesserung der Lernstrategien oder eine Veränderung der eigenen Einschätzungen Zusammenfassung

verursacht wurde. Die Ergebnisse bezüglich der Einstellung der Schüler zu Experimenten lässt ebenfalls Fragen offen. So ist es beispielsweise aufgrund von Widersprüchen der Aussagen nicht klar, welche Arten von Schülerexperimenten im Unterricht von den Schülern bevorzugt werden. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass durch die Erfahrung der Unterrichtseinheit der Sinn und Zweck von Experimenten im Chemieunterricht klarer wurde. Dazu beigetragen hat vermutlich die Integrierung einer selbständigen Versuchsplanung durch die Schüler sowie eine ausführliche Darstellung des naturwissenschaftlichen Erkenntnisweges, der den Schülern zuvor nicht bekannt war. Des Weiteren konnte aus den Ergebnissen geschlossen werden, dass sich die Schüler im Umgang mit Chemikalien und Gerätschaften nach der Durchführung der Wacker-Versuche sicherer fühlten. Alle Aussagen, die durch diese Untersuchung gemacht werden konnten, beziehen sich auf die befragten Teilnehmer des Intensivierungskurses und können aufgrund der kleinen Stichprobenzahl nicht verallgemeinert werden. Allerdings liefern diese Ergebnisse Anreize für weitere Untersuchungen. Das Feedback der Schüler im Rahmen der allgemeinen Evaluation bezüglich der durchgeführten Unterrichtseinheit mit dem Wacker-Koffer stellte sich als sehr positiv heraus.